Gastbeitrag: Armageddon

Ich habe „Armageddon“ nie komplett gesehen. Ich mag Bruce Willis und ich verehre Liv Tyler seit diesem Musikvideo…

UPDATE: Kaufen Sie keine Platten von Aerosmith, klauen Sie MP3s aus dem Netz! Musikvideos bei youtube aus Copyrightgründen zu sperren, ist unsagbar schäbig. Die Dinger wurden MTV & co. ja eigentlich gratis zur Verfügung gestellt um Platten zu verkaufen, und die Tonqualität ist ohnehin lausig.

… aber nach einer halben Stunde war ich stets weg vom Bildschirm. Um so dankbarer bin ich, endlich die Handlung zu erfahren – in einer großartigen Filmkritik meines Freundes Uli Berger, die ich Ihnen nicht vorenthalten mag:

Beginn mit den Hauptpersonen: Bohrpersonal auf Bohrplattform, ununterbrochen
markige hohle Männersprüche absondernd, immer RRRaubtiersound durch die Nase
gefiltert. Frontman Bruce Willis, arrrggh. Der Rest der Truppe: A-Team
reloaded.
Für weiter unten beim Mann: Schnuckliges Bruce-Willis-Töchterlein. Liebt
jungen Bohr-Mann, albern begründeter Scheinkonflikt mit klammerndem Vati,
grrr.

Plot: Asteroid bedroht Mutter Erde, Nasa will Crew schicken, das Teil
nuklear zu sprengen. Dazu müssen wir in dem Ding aber tief bohren, sonst
verpufft das Bömbchen. Bis hierher ist die Physik noch einigermaßen heil
davon gekommen.
Warum man aber bei dem extrem unregelmäßigen Asteroiden (dessen
Zusamensetzung keiner kennt!) GENAU 244 Meter tief bohren muss, bleibt schon
verwunderlich, zumal diese Zahl nachher noch eine drrrramaaatische Rolle
spielen wird.

Rekrutierung der Bohr-Crew: Natürlich gegen Widerstand der ganzen steifen
Fachleute wird das AA-Team schnell, schnell (12 Tage!) mit der gesamten
Mission, der Technik etc. vetraut gemacht. Zwar sagen ein paar „boring
astronauts“, dass sie dafür Jahre trainieren müssen, aber das ist halt so
neidisches Gejammer… Brucy zeigt’s allen, dass ein richtiger Kerl das
deutlich schneller packt (Ulli im Laufschritt aufs Klo – aaaarrrrh!).

Na gut, nun fliegen die Typen also los (mit 2 Stk. Space-Shuttle). So ein
Teil kann natürlich realiter weder so weit fliegen, wie hier behauptet
(irgendwie um den Mond, um den bösen Brocken „von hinten zu nehmen“), noch
auf dem Ding landen, weil halt leider die Atmosphäre fehlt… Arme Physik.
Dann kommen sie schließlich an und geraten in gruselige Wälder aus riesigen
Metallspitzen (irgendein fieses stahlhartes Metall). Shuttle1 crasht
irgendwie voll da rein (weiß ich jetzt nicht genau, weil ich mir parallel
auf RTL noch „Pearl Harbour“ angetan habe – Kotzegrad identisch zu unserem
„Heldenfilm“ hier). Nun nehmen alle ganz traurig Abschied von
Crew1 (u.a. Lover von Willis‘ Töchting).
Bei der in Actionmanier unendlich langgezogenen Crash-Szene von Shuttle1 war
übrigens noch was interessantes zu sehen:
Seit es „Hubble“ gibt, sieht das Weltall überall GENAU so aus, mit
prächtigen bunten Nebeln, Supernovae etc. Die Augen und Kameras der realen
ISS-Astronauten scheinen da alle zu lügen. Sssissssisssisss…

So, nun sind wir mit Shuttle2 mühsam ge“asteroidet“ (während dauernd
irgendwelche unerklärlichen fliegenden Brocken einschlagen). Na ja, man
fängt halt unter ständigen sinnlos stattfindenden Störungen (die dann vom
Bruce-AA-Team heldenhaft gemeistert werden) an zu zu bohren… und hat nach
25 Metern schon ein paar Bohrköpfe, Getriebe etc. verloren. Durch immer
wieder auftretende (völlig unmögliche) tektonische, feuerspeiende Aktivität
fliegt der Crew2 ihr Bohrwagen weg, auf der Erde wird somit das Scheitern
festgestellt und Plan B soll realisiert werden: Zünden der Bombe an der
Oberfläche (von der Erde aus durch die Militärmaschinerie…). Es folgen
heldenhafte Verhinderungskämpfe, tränenvolles Theater und eine
scharfgeschaltete Bombe, die TICKT! Jetzt noch der Klassiker: Mit Knarre
bewaffneter Begleitoffizier wird gewaltsam in Schach gehalten und die Uhr
angehalten: „Der Rote?“ TICK, TICK, TICK… „Nein der Blaue!“… TICK,
TICK… Großaufnahme Zange…KNIPS! Ufff!

Aufschlussreiches Intermezzo: Irgendwann kurz nach Scheitern von Crew2 kommt
leider irgendein voreiliger Teil-Asteroid runtergefallen und trifft „gaaanz
zufällig“ Paris. Da gibts dann ein schönes Bild mit Riesenkrater knapp
hinter Arc de Triomphe. Juckt aber weiter keinen. Die paar Millionen
Froschfresser, treulose, feige, europäische. Nicht schade drum.
Der gute Rest der Welt (der sämtlich zur Nasa betet – ums Gelingen der
Mission: Taj Mahal, Hagia Sophia…) ist natürlich von dem Einschlag
physikalisch ganz unbeeinflusst geblieben. Schade, das wäre doch mal eine
orrrrdentliche Klimakatastrrrophe geworrrden, wenn die Physik das hätte
designen dürfen.

Jetzt aber, the Hell!, endlich das Wunder: Das Bohrfahrzeug von Crew1 (wir
erinnern uns: Totalcrash aus dem All mit kosmischer Geschwindigkeit!) mit
dem jungen Lover darin taucht auf!
Haleluuuhja!
Jetzt gehts aber plötzlich mit dem Bohren voran! Hatte Crew2 bloß die
China-Raubkopien der guten amerikanischen Bohrkronen mit? Mann, Mann, das
Projektmanagement der Nasa ist aber leicht suboptimal.
Nach meinen (im Chaos der Kameraschnitte evtl. unzulänglichen Beobachtungen)
kam es zudem mehrfach vor, dass die Akteure im Vakuum ohne Helm waren –
harte Typen, ohne Frage!

Es muss noch erwähnt werden, dass der Zeitdruck gewaltig ist! So ist man
kurz vor der kosmischen Deadline erst bei 242 Metern Tiefe angekommen. Nun
erinnern wir uns, dass noch 2,0000 Meter fehlen! Müssen also weiterbohren
bis genau 244! Würden wir auch so machen, nöööch? Jetzt in Rekordzeit noch
schnell das Riesen-Bömbchen 244 Meter runterlassen und zünden! Sch…,
Zünder im Arm! Wat nu, noch 5 min Zeit bis Deadline (Erdvernichtung droht ab
da!). Plötzlich ist eine Art Handzünder zur Hand, den einer direkt an der
Bombe anbringen und dort zünden muss.
Großes Menschenelend, jeder Einzelne reißt sich drum, der
Selbstmordattentäter zu werden, also losen sie. Der schöne junge Lover zieht
den Kürzeren. Wat nu, Dramaturg? Deeer darf ja nun nich… heul, heul.
Also sagt Brucy: „Ich begleite ihn runter!“
Nun legt Brucy seinen „Als-ob-Sohn“ (tränenreiches Outing des
möchtegern-Vatis) etwas herein und begibt sich selbst zur Bombe. Wer sich
fragte, wie man denn in der Bohrung so schnell zur Bombe kommen will, kriegt
leider keine Erklärung:
Es scheint dem verwunderten Zuschauer zuerst, als ob die im Lift
runterfahren, aber das ist wohl nur der Lift vom Shuttle zum Boden (alles
ist immer sehr, sehr unübersichtlich). Jedenfalls ist Brucy nachher
plötzlich bei der Bombe – gebeamt?
Nun zündet er das Ding. Aber nicht einfach so! Naaaein, der Zünder geht erst
mal verloren, wg. tektonischem Chaos (der Asteroid „wehrt sich“, oder so),
während der Crew-Rest schon zurückfliegt (noch Sekunden bis Deadline).
Es ist dann gaaanz knapp, aber völlig unerwartet schafft es Brucy noch und
der Asteroid wird laut Nasa in zwei genau gleiche Teile gespalten, die die
Erde in jeweils 100000 km Entfernung passieren.

Epilog: Woher ich weiß, dass die beiden Teile gleich groß sind? Weil nach
Impulserhaltungssatz nur in diesem Fall so eine total symmetrische
Erdpassage möglich wäre! Hat prima jeklappt, Jungs – 6 setzen :(((

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3 Antworten zu “Gastbeitrag: Armageddon

  1. Sehr schöne Filmbesprechung. Sehr schön fand ich auch, dass unsere Heldenhafte Crew so ganz nebenbei die MIR (inzwischen ehem. Russische Raumstation) geschrottet hat und den Stationscaptain (auch Russe) zwingt, mit auf ihre sehr amerikanische Mission zu gehen.

    Na wenn das mal kein Statement ist 🙂

  2. @hugohauck
    Da hast Du Recht: ein weiteres, sehr bezeichnendes Detail, man findet wohl leicht noch mehr… 😦

  3. Zwar eine schöne Filmbesprechung, allerdings (leider) daneben gegriffen. Wäre es eine Dokumentation, bzw. hätter der Film einen dokumentarischen Charakter, dann würde ich beide Daumen hochheben und euch vergöttern. Allerdings handelt es sich bei Armageddon um einen hochgradig (unoptimalen;)) Hollywood Blockbuster, der einzigst die Funktion zur Unterhaltung besitzt. Und die, ob man es akzeptieren kann oder nicht, erfüllt der Film. Zwar muss man sein Hirn auf Sparflamme schalten und sich mit einer Popkorn-Riesentüte eindecken, aber mehr wollte weder der Drehbuchauthor, noch der Regisseur liefern.

    Wenn ihr schon *diesen* Schinken schön sauber filletiert, weshalb dann nicht die vielen anderen Hollywood-Produktionen, die sich ebenso der Realität entfernen ? Oder glaubt einer tatsächlich, in Jules Vernes‘ Filmen steckt mehr „physikalischer Realität“ als in diesem Bumm-Bumm Spektakel ? Und sind Buck Rodgers und Star Wars tatsächlich realistischer ?
    Ich weiss, es klingt hart, aber auch der Armageddon-Streifen dient *einzigst und allein* der Unterhaltung 😉

    Dennoch ist hier eindeutig ZU VIEL an der Tränendrüse gekitzelt worden, das sagen (vor allem!) die amerikanischen Kinogänger. Vollendst dramatische Musik, völlig übertriebene Situationen und gewaltige moralische Zeigefinger haben selbst den hartgesottensten „Stirb Langsam“ Fan schreiend die Hände über dem Kopf schlagen lassen. Ich habe den Streifen damals im Kino auch nur mit Popkorn „genießen“ können. War mir letztendlich trotzdem lieber als einem 2-Stunden langen Bärbel Schäfer Plauderabend im örtlichen Buchladen.

    Kleine Korrektur zur Physik: Der Shuttle KANN auf einem athmosphärenLOSEN Planeten bzw. Asteroiden landen. Die Landung auf dem Mond ist ja auch geglückt, oder ? Allerdings misst die Masse eines sich der Erde nähernden Asteroiden nicht einmal einem Bruchteil eines Bruchteils des Bruchteils der Masse des Mondes. Und da eine große Masse auch eine große Anziehungskraft zur Folge hat, wird man sich ohne „Enterhaken“ oder „Saugnäpfen“ wohl kaum länger als 2 Sekunden den Grund und Boden des Asteroiden berühren können. Jeglicher Furz katapultiert den Astronauten unwiderruflich ins weite All, geschweige vom Druckaufbau, die eine Bohrung benötigt. Dies ist auch der Grund, weshalb der Mars bis heute keine Atmosphäre besitzt, die ist schlicht und einfach im All verpufft. Und der Armageddon-Asteroid ist wahrlich kaum größer als der Mars. Aber über die abstruse Physik in Armageddon soll man lieber nicht überlegen, soviel Platz bietet kein Blog der Welt 😉
    Ausserdem ist mir pers. keine Szene bekannt, in der jemand in Armageddon ohne Schutzkleidung im All bzw. auf dem Asteroid gesichtet wurde. Auch Movie-Mistakes.com hatte darüber AFAIK nicht berichtet – und die Kerle entdecken jeglichen Fehler auf einem Zelluloid-Streifen. Bitte also nicht über etwas schreiben, was man „glaubt“ gesehen zu haben. Wenn ich sowas will, dann gehe ich in die Kirche, die haben dort einen 24-Stunden Glaubensservice 🙂
    Tatsache ist allerdings, dass es im innerem des Shuttles, insbesondere in der nähe der Atombombe, die gleiche Anziehung herrscht, wie auf der Erde. Ist schon erstaunlich, wieviel Masse alleine der Fußboden des Shuttles besitzt 🙂

    Aber Togal… Für einen ersten Gastbeitrag ist es zwar hübsch geschrieben, allerdings ein kleines bisschen am „ernsthaften“ Grundthema vorbeigeschreddert. Das Raumschiffe im All Geräusche produzieren, bzw. mit Rauch und Feuer explodieren, ist schon seit Jahren bekannt. Auch sind tickende (Zeit-)Bomben mit Rot/Grün Drahtbeschaltung oder geheime Minisender, mit „unscheinbaren“ blinkenden LEDs und elektronisches Ticken keine Seltenheit in Hollywood. Und die Drehbuchauthoren, die jegliches eintippen eines Buchstabens in die Tastatur eines PCs mit einem deutlich hörbaren KLACK oder BIIEEEP unterlegen, gehören gesteinigt. Darüber würden sich Sekretärinnen der ganzen Welt sicherlich zur Freude ihrer Nerven anschließen ;). Aber diese kleinen Hollywood-Gesetze hat man inzwischen lieb gewonnen und man rechnet im wahrstem Sinne mit solchen Situationen. Wenn ein Jason Bourne einen Computer knackt, dann „erwartet“ man biepende Tastaturen und einen sich auffüllenden Wartebalken, der jede Pixelbewegung mit einem Piepgeräusch unterlegt. Zuhause erwartet den Zuschauer ja nur das „langweilige“ und stumme Windows-geklicke. Lassen wir also den Filmemachern den Spaß uns mit Geräuschen und unmöglichen Physikspielereien in eine alternative Welt zu entführen. Ansonsten kann man sich einen Dokumentarfilm ansehen, oder noch besser… Telekolleg Physik 🙂

    Also belasst das arme und schon zutiefst gebeutelte Armageddon dort, wo es hingehört – in die Schublade der Preisträger der goldenen Himmbeere – und nimmt euch ruhig andere „ernsthafte“ Filme vor. Wir haben noch genügend „hochqualifizierte“ Regisseure, die sich dazu berufen fühlen, uns mit cineastischen Meisterwerken beglücken zu wollen. Ich bin mir sicher, Namen wie z.Bsp. Doktor Uwe Boll sind auch euch einen Begriff – wenn auch ein schmerzhafter 😉

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