Metaebenenkuddelmuddel

… entsteht, wenn „Toto und Harry“ zu einer nicht als solcher erkennbaren Theaterperformance gerufen werden:

Erst standen sie nur regungslos da, zwei Männer in der Bochumer Fußgängerzone. Eingefroren, ähnlich wie die lebenden Statuen vor Sehenswürdigkeiten. Einer der beiden hat sich die Haut schwarz geschminkt. Als jemand eine Münze in den Hut auf dem Pflaster wirft, geht es los. Der Weiße schlägt auf den Schwarzen ein. Mit einem Knüppel.

Das ist kein Stunt, kein Fake, das tut wirklich weh. Bald liegt der dunkel Geschminkte auf dem Boden, die Misshandlung geht weiter. So beginnt die Performance „Stadt ist anders“ des Wiener Kollektivs „God’s Entertainment“.

In Zürich hat es dreißig Minuten gedauert, bis ein Passant eingriff, in Wien noch länger. Bei der Bochumer Prügelperformance im Rahmen des Off-Festivals Impulse geht schon nach wenigen Minuten ein Mann dazwischen. Der Schläger lässt nicht locker, versucht immer wieder, an sein Opfer heranzukommen. Minutenlang dauert das Gerangel, dann kommt die Polizei mit Blaulicht. Die beiden Beamten sind nicht eingeweiht und glauben an eine rassistische Gewalttat. Jetzt greift eine junge Frau ein, die zur Theatergruppe gehört. Sie erklärt die Situation, die beiden Darsteller verschwinden. Die Polizisten schütteln die Köpfe und wollen alle Personalien aufnehmen.

Der Passant ist sauer und erzählt, er sei gerade erst aus dem Krankenhaus gekommen und befürchte, sich beim Kampf verletzt zu haben. Ein Rettungswagen kommt, der Passant wird behandelt. Er erstattet Strafanzeige gegen den Performer, der ihn verletzt hat.

Endlich trifft Tom Stromberg ein, einer der beiden künstlerischen Leiter des Impulse-Festivals. Er hat im Stau gestanden. „Ich bin verantwortlich“, sagt er mehrmals. Einige Leute sind stehen geblieben und regen sich auf. Theater gehöre doch ins Schauspielhaus, so eine Prügelei sei unverantwortlich. Die Polizisten bitten alle, weiterzugehen. Das wird von den wenigen Eingeweihten, die der Ankündigung im Impulse-Programmheft gefolgt sind, natürlich ignoriert. Kuriosität am Rande: Die Gesetzeshüter sind niemand anders als Toto & Harry, die im Ruhrgebiet extrem populären Helden einer Reality-Soap in Sat1. Hier sind sie als ganz normale Beamte im Einsatz. Während sie versuchen, ihre Arbeit zu machen, klopfen ihnen Menschen auf die Schultern und bitten um Autogramme. Spätestens jetzt geraten gleich drei Wirklichkeitssphären durcheinander. Die Theaterrealität, die Medienebene und das echte Bochum an diesem Mittwoch Nachmittag. Kurz darauf kommen noch ein Mannschaftswagen der Polizei und ein weiterer Krankenwagen an.

Hier ist der ganze Artikel der Frankfurter Rundschau.

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Eine Antwort zu “Metaebenenkuddelmuddel

  1. Ssissississ (schüttelndes, weißhaariges Greisenhaupt imaginieren!), was den Leuten heute so alles einfällt, Ssissississ…
    Kriminalität ist jetzt Kunst, und morgen treffen wir uns alle VOR statt In der Oper, gehen zur nächsten Bank und gucken „Überfall mit Geiselnahme“ – für die besseren Ränge mit Todesopfern… Ssissississ ;-)))

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