Literarischeres Fernsehen bitte!

Ein großartiger Text aus der taz, jedes Wort ist wahr:

Als Thomas Gottschalk 2002 in „Wetten, dass …?“ durch besonders schlechte Witze auffiel, regte ZDF-Intendant Markus Schächter die Unterstützung durch Autoren an. Er brauche „keine Witzeschreiber wie Stefan Raab“, empörte sich Gottschalk, als rühre dies an seiner Ehre: „Ich lebe von meiner Spontaneität und von meinem Wortwitz.“ Dass Gottschalk seine Weigerung, sich zu verbessern, als Stärke verstanden wissen wollte, ist symptomatisch für die Gesamtsituation der Unterhaltung: Denn um jenen „Wortwitz“ auf konstant hohem Niveau zu produzieren, ist eine kollektive Produktionsweise unabdingbar.

Die besten Entertainer wissen das und sind stolz, die besten Autoren verpflichtet zu haben: Als Jon Stewart sich auf die Moderation der Oscars 2006, Krönung jeder Host-Karriere, vorbereitete, ließ er sich von der Los Angeles Times zusammen mit seinen Autoren David Javerbaum und Ben Karlin porträtieren. Oscar-Moderatoren sind zum Verdammt-gut-Sein verdammt, weil sie sich mit nur einem schwachen Gag vor der ganzen Welt blamieren würden. Ex-Host Chris Rock gab Jon Stewart einen einzigen Tipp: „Nimm einen Reisepass mit, 10.000 Dollar und einen falschen Bart. Und wenn du nach Mexiko flüchten musst, dann flüchtest du!“

Nicht nur die deutschen Shows, auch die Fernsehserien bewegen sich nahe der Irrelevanz: Wenn in diesen Wochen literarisch Interessierte beim Zappen nicht bei Arte, sondern auf RTL hängen bleiben, dann liegt das an der Serie „Dr. House“, deren auch sprachlich brillanten Zynismus man in der Gegenwartsliteratur, vor allem der deutschen, lange sucht. Zudem traut man deutschen Produktionen den kühnen Dreh, eine Ärzteserie mit Sherlock-Holmes-Motiven und Genieästhetik zu verknüpfen, längst nicht mehr zu: Das Medium wirkt wie ein für die Literatur verlorenes Terrain. Dabei beweist eine Serie wie „Dr. House“, dass hoch intelligentes Fernsehen zum Quotenerfolg werden kann.

Hier ganz lesen!

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5 Antworten zu “Literarischeres Fernsehen bitte!

  1. Schauen sie doch lieber Sendung wie „Kulturzeit“ auf 3sat als so einen Schwachsinn wie „Wetten, dass…“!

    MfG
    Daniel

  2. Mache ich doch dauernd, gucken Sie sich meine Videos an – die Kulturzeit ist massiv überrepräsentiert.

  3. Das vom RTL-Hasser, der ich bin:
    Yesss, Dr. House kann man wirklich gucken!
    Schön hart und böse sowie intelligent.

    Ich habe dieses Lob nicht gerne geschrieben, aber ehrlich muss sein.

  4. Das Lob geht ja aber nicht wirklich an RTL, wo Dr. House ja mehr zufällig läuft, sondern eher an die Adresse der Produzenten. Dass die US-Serien derzeit auf einem unglaublich hohen Niveau sind, konnte man bei SPON ja in den letzten Monaten zu recht öfter lesen. Sopranos, Dr. House, Prison Break, My Name is Earl, Lost, Desperate Housewives, Heroes, ER, 4400, … wenn man das mit den 80ern vergleicht, hat drüben in der Breite imho ein regelrechter Quantensprung in Sachen Storytelling, Dialoge (!!) und Professionalität der TV-Schauspieler stattgefunden. Dass das als Konserve irgendwann bei RTL landet, kann RTL ja nicht wirklich zugeschrieben werden. 😉

  5. House rulez, ganz klar egal wo es läuft 🙂

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